Grenzgänger (2004)

Mein Vater

Grundstein meines Lebens
dessen Blut das meine
ständig kreisend durchzieht,
dessen Gedanken im Kern meines Denkens sind,
dessen Handschrift
aus meinen Schriftzügen ruft

Antwort wurde ich deinem Ruf
im Blut meiner Mutter,
nie wirst du mich lassen
dein Atem weht in meinem
deinem Leben gebe ich Erfüllung und Bestand
deine Kraft ging über an mich
als du mich zeugtest

es blieb zu wenig für dich
um auch zu leben –
und deine Seele ging in meine über

 

Grenzgänger

Die Tür bleibt geschlossen,
doch jemand geht hindurch
denn die Angel rührt sich
meldet den Grenzgänger

in der Stille lärmt der fast unhörbare Laut,
das leise Geräusch dringt durch das Ohr
zum erschrockenen Herz

das Auge, gewöhnt nur an Alltägliches,
sieht die Tür weiter unbewegt
aber der Grenzgänger kam
und floss in mein Blut

Mein Falke

die Wolken meines Herzens
verbergen einen Falken
weiß und klar

flugsüchtig, sehsüchtig
löst er wechselnd die Kralle
unter zitternder Schwungfeder

fliegt nicht, fliegt nicht,
wartet auf des Falkners Schritt
sehnsüchtig, schmiegsüchtig

ruft nicht, klagt nicht
äugt auf allen Straßen,
traumsüchtig, wehsüchtig

ich trage einen Falken im Herzen
frisst nicht, schläft nicht, wiegt sich,
bewohnt mich